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Karate-Do

Die Kampfkunst Tôde (Technik der Tang-[Dynastie], d.h. Technik Chinas), die Vorläuferin des modernen Karate, entstand im 17. Jahrhundert auf Okinawa aus einer Synthese des einheimischen Te (Technik) und des chinesischen Quan-fa. Später bezeichnete man diese Kampfkunst als Okinawa-Te (Technik aus Okinawa). Noch heute gibt es auf Okinawa reine Te-Stile, rein chinesische Quan-fa-Stile sowie Mischformen. Das moderne Karate-Dô (jap.: Weg der leeren Hand) hat sich aus diesen Mischstilen entwickelt, enthält aber mehr chinesische als okinawanische Elemente.

Wenn auch der Einfluß der chinesischen Kampfkünste auf die Entstehung des okinawanischen Karate gar nicht groß genug veranschlagt werden kann, so ist doch ein Ursprung im Shaolin-Kloster oder gar in den Lehren des indischen Mönches Bodhidharma nach heutigem Wissenstand nicht mehr als eine Legende oder bestenfalls eine mögliche Theorie unter vielen. Das Herstellen einer derartigen Traditionslinie dient also in erster Linie der eigenen Legiti­mation, Lücken in der Geschichte des Karate-dô werden auf diese Weise hingegen nur scheinbar geschlossen.

 

Fakt ist, dass sich die Kunst des bewaffneten und unbewaffneten Kampfes in allen Kulturen dieser Welt schon sehr früh entwickelt hat. So wissen wir schon von Wandbildern aus dem alten Ägypten, dass dort der unbewaffnete Kampf geübt wurde. Auch die alten Griechen, Etrusker, Germanen,  die nordischen Völkerstämme, die Völker aus Nord- und Südamerika und die Volksstämme in Afrika setzten sich aus einem sehr simplen Grund mit dem Kampf auseinander: Die Welt damals war brutal und gefährlich und man musste sich im Ernstfall effektiv wehren können! Auch in Asien sind schon sehr früh entsprechende Techniken entwickelt worden. Hier wurden sie allerdings, aufgrund der frühen Blüte der chinesischen Kultur, in das dortige Gesundheitssystem (chinesische Medizin) und die dortige Religion (Buddhismus, Daoismus) integriert, so dass sich die dort entstandenen Kampftechniken in ihrer Tiefe von den meisten übrigen auf dieser Welt unterscheiden.

 

Bereits Ende des 14. Jahrhunderts gründeten die Chinesen eine Reihe von Niederlassungen auf Okinawa, deren Ziel die Verbreitung chinesischer Kultur war (36 Familien). Eine direkte Folge dieser Kulturpolitik war die Ausbildung okinawanischer Studenten in China, wo viele von ihnen chinesische Kampfkünste erlernten und das spätere Tôde initiierten. Über die Geschichte der okinawanischen Kampfkünste (Te) vor 1600 ist jedoch nur relativ wenig bekannt. Als sicher gilt, daß ihre Entwicklung Ende des 15. Jahrhunderts durch ein allgemeines Waffenverbot einen enormen Aufschwung genommen hat.

 

Gegen die repressive japanische Politik nach der Invasion 1609 formierte sich der Widerstand des einheimischen Adels in verschiedenen Te- und Quan-fa-Gemeinschaften. Aus der Kombination von Te und Quan-fa entwickelte sich in der Folgezeit ein Tôde genannter Mischstil. Darüber hinaus wurde verstärkt der Gebrauch von verschiedenen Arbeitsgeräten als Waffen (z.B. Nunchaku oder Kama) studiert. Wenngleich es ständig Auseinandersetzungen mit der japanischen Besatzungsmacht gab, führten diese jedoch nie zu einem organisierten Aufstand. Gleichwohl stand insbesondere die Lehre des Tôde unter Todesstrafe. Dementsprechend un­terlag das Tôde bis etwa 1900 strengster Geheimhaltung. Die okinawanischen Kampfkunst­meister nahmen daher immer nur wenige Schüler, häufig aus den eigenen Familien, an. Im Zentrum der Ausbildung standen die Kata, die in verschlüsselter Form die Essenz der Kampf­kunst eines Meisters enthielten.

 

Das in geheimen Schulen und Organisationen gelehrte Tôde war vor allem die Kampfkunst des niederen Adels aus Naha, Shuri und Tomari; erst seit dem 19. Jahrhundert wurden auch Schüler aus dem Volk angenommen. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert kam es zu einem intensivem okinawanisch-chinesischem Kulturaustausch, in dessen Verlauf sich auch das Tôde immer wieder veränderte und schließlich als Okinawa-Te bezeichnet wurde.

 

Im Lauf der Zeit entwickelte das Tôde eine Vielzahl unterschiedlicher Stilrichtungen, die sich jedoch im wesentlichen unter zwei Systemen subsumieren lassen: Shôrin-ryû (Shuri-te und Tomari-te) und Shôrei-ryû (Naha-te). Allerdings ist diese Einteilung bisweilen recht willkürlich, da alle verschiedenen Kampfkonzepte grundsätzlich Mischformen darstellen.

 

Mit Shôrin-ryû meint man im allgemeinen die äußeren Stile der okinawanischen Kampfkunst, die in den Städten Shuri und Tomari entstanden. Dazu gehören u.a. Itosu Shôrin-ryû oder Funakoshis Shôtôkan-ryû. Shuri war lange Zeit Zentrum des okinawanischen Karates. Die ersten historisch faßbaren Meister des Shuri-te waren Sakugawa (1733-1815) und sein Schüler Sôkon Matsumura (1792?-1896), die die heute bekannten Kata dieser Stilrichtung erstma­lig systematisierten. Sakugawa gilt darüber hinaus als Begründer der okinawanischen Dôjôkun.

Als Folge der Angliederung Okinawas an Japan (1871) wurde u.a. ein umfassendes Erziehungsprogramm initiiert. In diesem Zusammenhang wurde Karate durch Meister Yasutsune Itosu (1830-1915) als offizieller Unterrichtsbestandteil an den Schulen Okinawas eingeführt. Um die Jahrhundertwende brach Itosu mit dem Gebot der äußersten Geheimhaltung und un­terrichtete Karate als gymnastische Übung an öffentlichen Schulen Okinawas. In einem Brief an das japanische Gesundheitsministerium schlug er im Jahr 1908 vor, Karate allgemein als Unterrichtsfach einzuführen, wobei er es als Mittel zur Sozialdisziplinierung und als Grund­lage für eine militärische Ausbildung anpries. Ein Nachklang davon findet sich in dem heute üblichen Trainingsaufbau (z.B. die Aufstellung, Kiai etc.), der im wesentlichen auf den Mili­tärausbilder Kentsu Yabu (1863-1937), einen Schüler Itosus, zurückgeht.

Unter Itosu wurden die meisten Shôrin-Kata überarbeitet und systematisiert, vor allem aber verbreitet, was bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar gewesen war und seinerzeit äußerst umstritten war. Insbesondere entwickelte er für Anfänger die rein auf gesundheitliche Aspekte ausgerichteten Pinan-Kata.

Zum einen ermöglichte Itosus Einführung vieler energetischer Bewegungen aus dem chinesischen Qi-gong in das Karate dessen weltweite Verbreitung, zum anderen entfernte Itosu sich durch die Umwandlung des Karate in eine Art Gesundheitsgymnastik mit Vitalpunktstimula­tion von der Tradition des Kampfes.

Der zweite Zweig des Shôrin-ryû umfaßt die Art der Kampfkunst, die in Tomari und Umgebung unterrichtet wurden. Tomari-te bezeichnet kein in sich geschlossenes System, aber die Techniken und Kata des Tomari-te finden sich heute in den meisten Shôrin-Stilen wieder. Tomari-te wird als weicher, fließender Stil beschrieben.

Shôrei-ryû schließlich ist ein Nachfolgesystem des Naha-te und wurde von Kanryô Higashionna (1853-1916) begründet. Shôrei-ryû ist durch seine festen Stände und spezielle Atemtechniken gekennzeichnet. Die Techniken sind weniger schnell als im Shôrin-ryû und besonders auf den Nahkampf ausgerichtet. Die bedeutendste Stilrichtung innerhalb des Shôrei-ryû ist das von Chôjun Miyagi (1888-1953), einem Schüler Higashionnas, entwickelte Gôjû-ryû.

Die als reine Selbstverteidigungssysteme entstandenen Stile des okinawanischen Karatejutsu wandelten sich durch den Einfluß des Zen-Buddhismus zum Karate-dô. Entsprechend wird Karate-dô heute als Weg der Selbstbetrachtung, der Selbstverteidigung und der Gesunderhaltung betrieben. Das Dô-Prinzip an dieser Stelle zu erklären, würde bei Weitem den Rahmen sprengen und gehört mit Sicherheit auch nicht hier hinein.

Unter Kobudô versteht man die okinawanischen Waffensysteme, die aus der Benutzung landwirtschaftlicher Geräte entstanden sind. Kobudô ist eine Weiterentwicklung des Kobujutsu, das der reinen Selbstverteidigung diente. Eine Trennung von den Techniken der „leeren Hand“ erfolgte erst in den modernen japanischen Stilen.

1921 gelangte Karate durch Gichin Funakoshi (1869-1957) nach Japan. Funakoshi gilt als der Begründer des modernen Karate. Funakoshi erreichte die Aufnahme des Karate in den Butokukai (Organisation zur Standardisierung der japanischen Kampfkunststile) und damit seine Integration in die japanischen Disziplinen des Budô. Der Butokukai war an einer Japanisie­rung des Karate interessiert und machte die Aufnahme von einer Reihe von Bedingungen ab­hängig wie die Veränderung des Schriftzeichens von „chinesischer Hand“ in „leere Hand“, die Übernahme des Gürtelrangsystems oder das Üben im japanischen Gi.

Erst nach 1940 entstanden in Japan die meisten der heute weltweit bekannten Karatestile - z.B. Shôtôkan-ryû, Shitô-ryû, Wadô-ryû und Gôjû-ryû -, in denen zumeist kontaktloses Wett­kampfkarate betrieben wird, eine Form des Karate, die von den meisten okinawanischen Meistern abgelehnt wird. In den 50er Jahren begann dann schließlich die weltweite Verbreitung des Karate als Sportart, eine Entwicklung, für die vor allem der Name Masatoshi Naka­yamas (1913-1987) steht. Zu Unrecht wird Funakoshi auch als Begründer des Sportkarate angesehen, obwohl er selbst zeit seines Lebens ein vehementer Verfechter des traditionellen Karate-dô blieb.

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